Kältebrücken finden: So klappt es auch als Laie!

Kältebrücken finden: alles, was Sie wissen sollten.


Kältebrücken finden sich besonders oft in älteren Bauwerken. Damals achtete man auf Grund niedriger Energiepreise noch nicht so sehr auf die Dämmung der Gebäude. Zu Anfangs sollten wir jedoch erst einmal klären um was es bei diesem Begriff geht. Die Definition ist recht einfach. Überall dort, wo übermäßig viel Wärme nach außen verloren geht, spricht man von einer Kältebrücke. Auch der Wortlaut Wärmebrücke wird dabei gerne verwendet.

Natürlich ist es schwer, jene Stellen im Haus mit bloßem Auge zu identifizieren. Wie sollte man also als Laie vorgehen?


Prinzipiell geht es darum, Temperaturunterschiede auf der Oberfläche im und am Gebäude auszumachen. Warum das Ganze? Wenn beispielsweise eine bestimmte Stelle an einer Wand eine signifikant niedrigere Temperatur aufweist als die direkt angrenzende Umgebung, deutet das darauf hin, dass hier übermäßig viel Wärme verloren geht. Jetzt fragt man sich natürlich: Schön und gut, aber wie ist das für mich messbar? Für diesen Zweck eignen sich prinzipiell zwei Varianten:

Variante 1

Man richtet eine Wärmebildkamera auf die Wand und führt damit eine Thermoskopie durch. Jeder kennt das höchstwahrscheinlich schon aus dem ein oder anderen Film. Blaue Stellen sind kühler während alles Rotgefärbte auf eine höhere Temperatur hindeutet. Hier werden jedoch im Unterschied zu Hollywood keine feindlichen Soldaten ausgemacht, sondern Kältebrücken in der Hauswand.  

Variante 2

Man besorgt sich ein Infrarot-Thermometer und misst die Wärmestrahlung, welche von der jeweiligen Oberfläche abgestrahlt wird. Die Geräte sind in der Lage, die Intensität der Strahlung in die entsprechende Temperatur umzurechnen. Das Ganze klappt recht zuverlässig, schon günstige Pyrometer schaffen das auf ein Zehntelgrad genau. Fallen bei der Messung starke Unterschiede auf, hat man höchstwahrscheinlich eine Wärmebrücke aufgespürt. Die Grafik verdeutlicht noch einmal, wie Strahlungsthermometer genau funktionieren.


Lohnt sich der Aufwand wirklich?

Würde es sich nicht rentieren, hätten wir wohl kaum einen Artikel darüber verfasst! Spaß beiseite, je mehr Wärme durch Kältebrücken verloren geht, desto mehr muss man heizen. Das kostet Geld und bei einem größeren Anwesen nicht zu knapp. Doch nicht nur das. An kalten Wänden kondensiert die Luftfeuchtigkeit. Das führt dazu, dass sich Kondenswasser an den betroffenen Stellen bildet. Als Folge steigt das Risiko der Schimmelbildung an Wärmebrücken erheblich.

Denn wie wir ja alle wissen: Schimmelpilze lieben Feuchtigkeit und diese finden sie vermehrt in der Nähe von Kältebrücken im Haus.  Um Ihnen genau vorzurechnen, welchen finanziellen Schaden Sie langfristig erleiden, gibt es sogenannte Energieberater. Diese Spezialisten errechnen anhand verschiedener Formeln und Messungen sehr genau, wieviel zusätzliche Heizkraft benötigt wird, weil Ihnen zu viel Wärme verlorengeht.  


Verschiedene Arten von Kältebrücken

Wir unterscheiden zwischen drei Typen von Kältebrücken, auf welche wir im folgenden Abschnitt nun genauer eingehen.

Konstruktive Kältebrücken

Wie der Name schon verrät, ist hier die Konstruktion des Gebäudes die Ursache des Wärmeverlusts. Eine Wand mag schön isoliert sein, aber irgendwo darin befindet sich ein Fenster oder ein Balkon. Selbstverständlich kann hier längst nicht so effizient gedämmt werden wie im Rest der Wand. Besonders bekannte Beispiele sind Stahlbetonstützen im Mauerwerk selbst.

Per Thermoskopie (also mit der Wärmebildkamera) wird das Ganze sehr deutlich. Betroffene Stellen scheinen rot, während der Rest farblos oder blau ist. Doch warum an den Stahlbetonstützen? Ganz einfach: Verschiedene Materialien haben unterschiedliche Wärmeleitfähigkeiten. Metall ist ein tolles Trägermedium und transportiert daher übermäßig viel Wärme nach außen.

Geometrische Kältebrücken

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Schimmelpilze so gerne in Raumecken oder an Kanten vorkommen? Richtig, hier treten besonders oft Kältebrücken auf.

Doch warum Ecken? Betrachtet man die Außenwand, steht hier eine kleine Innenfläche einer relativ großen Außenfläche gegenüber. Und wo viel Platz ist, kann auch viel Wärme und Energie verloren gehen. Probieren Sie es selbst einmal mit einem Infrarot-Thermometer aus. Höchstwahrscheinlich ist die Oberflächentemperatur an Kanten und Zimmerecken im Vergleich zum Rest deutlich niedriger.

Materialbedingte Kältebrücken

Wie schon bei konstruktiven Kältebrücken erwähnt haben unterschiedliche Materialien unterschiedliche Wärmeleitfähigkeiten. Stahl leitet die Wärme allgemein besser als Stein. Folglich kommt es logischerweise zu Temperaturunterschieden, treffen beide Materialien in einer Fläche aufeinander. Kältebrücken finden Sie natürlich umso leichter, je genauer Sie über die Bauweise Ihres Hauses bescheidwissen.


Wie spüre ich nun mit dem Infrarot-Thermometer Kältebrücken auf?

Sie fangen am besten dort an, wo das Risiko eine Kältebrücke zu finden am höchsten ist.

Dazu zählen:

Die Fensterrahmen und die Türlaibung

Alle Raumecken und Raumkanten

Alle Rollladenkästen

Heizkörpernischen (meist in älteren Gebäuden verbaut)

Richten Sie das Infrarot-Thermometer zuerst auf die Stelle direkt neben der vermutlichen Wärmebrücke. Temperatur ist notiert? Gut, dann wird das Gerät nun auf die Stelle gerichtet, an der potentiell zu viel Wärme verloren geht. Eine Schwankung von 2 Grad Celsius ist nichts Besonderes. Sollten Sie fünf Grad oder mehr Unterschied messen, sind Sie wohl fündig geworden. Hier ist womöglich eine Kältebrücke vorhanden. Notieren Sie sich so jede in Frage kommende Stelle.


Was gilt es zu beachten

Selbstverständlich können Sie nicht an unterschiedlichen Tagen messen, wenn andere Innen- und Außentemperaturen herrschen. Sie kennen es sicher noch aus der Schule. Für Physik- oder Chemieexperimente sind feste Bedingungen vorgegeben. Alles was abschweift verzerrt Ihr Messergebnis. Natürlich wird mehr Wärme verloren gehen, wenn es Draußen an Tag 2 plötzlich 10 °C kälter ist als an Tag 1.

Unser Tipp ist daher: Nehmen Sie sich die Zeit und messen Sie alles an einem einzigen Tag. Die Resultate sind dann konsistent und direkt miteinander vergleichbar.

Der Fachmann oder Energieberater kann per Wärmestromsimulation im nächsten Schritt berechnen, ob und wieviel Wärme wirklich verloren geht. Die Vorgehensweise bei der Berechnung ist jedoch nicht immer gleich und das Ganze würde hier vermutlich den Rahmen sprengen. Wir raten daher zum Spezialisten, sollten Sie einen konkreten Verdacht haben, dass viele Kältebrücken im Haus vorhanden sind.

Die Faustregel: Die Innenoberflächentemperatur im Gebäude sollte über 12,6°C liegen. Tut sie das nicht, kann sich sehr schnell Tauwasser bilden. Die Folge: Schimmelbildung!


Also doch zum Fachmann für Kältebrücken?

Sie haben erste Messungen selbst durchgeführt und starke Temperaturschwankungen festgestellt? Womöglich besteht hier mit dem richtigen WDVS (Wärmedämmverbundsystem) erhebliches Einsparpotential. Wieviel genau, weiß der Fachmann am besten. Auf Wunsch erstellt er Ihnen eine komplette Schätzung der Dämmkosten und des finanziellen Verlusts durch Wärmeverlust. Darüber hinaus kann er Ihnen schon beim Kältebrücken finden mit Tipps und Tricks zur Seite stehen.

Doch aufgepasst, wie immer gibt es auch hier schwarze Schafe! Wenn Sie sich nicht gut auskennen, konsultieren Sie am besten gleich mehrere Berater. Wer nicht zu einem unverbindlichen Gespräch bereit ist, hat schon verloren. Da heißt es: Abstand nehmen, der oder diejenige ist womöglich nur auf Ihr Geld aus!

Ein guter Energieberater nimmt sich stattdessen für Sie Zeit, macht einen kompetenten Eindruck und geht besonders auf Ihre persönlichen Fragen und Wünsche ein.
Die folgende Webseite kann Ihnen übrigens bei der regionalen Suche weiterhelfen.